Der Skaneleden - von Sölvesborg bis Osby

Nachdem es letztes Jahr auf dem in Südschweden liegenden Skaneleden von Trelleborg nach Ystad ging, folgte dieses Jahr der etwas nördlichere in der Ost-West-Achse verlaufende Skaneleden/ Kust till Kustleden (SL1). Die Erlebnisse dieser Tour möchte ich als Auftakt für meinen Blog rund um das Thema Outdoor und  selbst entwickeltes Equipment nutzen...

 

 

 

 

Anreise

 

Am 24.07.2017 ging es los. Erstmal von Berlin nach Sassnitz zur Fähre mit dem Auto. Für die rund 330km benötigten wir rund vier Stunden. Vom Parkplatz ohne Supermarkt-Zwischenstopp direkt in den Fährhafen ( nein wir exportieren kein Bier :-) Und nach weiteren vier Stunden erreichten wir (noch ein guter Bekannter) für gerade einmal 12 Euro pro Person mit der Fährgesellschaft Stena Line den Fährhafen von Trelleborg. Auf der Fähre kann ich die sogenannten "Conference Rooms" nur empfehlen ( Entspannte Räume mit Tischen und Stühlen, die fast alle Fahrgäste übersehen- hier kann man in Ruhe schlafen oder fernab vom Getümmel lesen bzw. noch mal die Karten studieren.

Anschließend kauften wir noch rasch die Tickets für den Zug nach Burlöv (ca. 10km südlich von Lund) und stiegen gerade noch rechtzeitig ein.

 

Dies sollte aber nicht das letzte Mal gewesen sein, in dem es ganz knapp wurde...

 


 Die erste Etappe: Burlöv - Staffanstorp 10km

 

Vom Bahnhof ging es bei bewölktem Himmel vorbei an Hauptstraßen und über Autobahnbrücken nach Staffanstorp. Die 10km vergingen trotz eher bescheidener Landschaft relativ zügig und lohnten sich, da der Shelter, der dort ansässigen Pfadfindergruppe einen tollen Übernachtungsplatz darstellte. Nach dem Kochen auf dem von mir selbst entwickelten friendstove ( Hätte jemand etwas anderes erwartet.. ?   :-) und dem Abendessen (Nudeln mit Tomatensauce und ganz wichtig: ganz vielen Cashewkernen), war der Tag schon gelaufen und nach der langen Anreise schlief man auch ganz gut...

 

 

Der erste Schafplatz:

Shelter in Staffanstorp.

 

Meine komplette Ausrüstung habe ich mal auf einer Bank ausgebreitet.


 

 

Die zweite Etappe: Staffanstorp - Lund 10km + Sölvesborg- Grundsjön 14km

 

Vom Shelter ging es nach einem kurzen Schwenk über einen kleinen Bauernhof zum Auffüllen der Wasserflaschen weiter Richtung Lund. Etwa 10km waren zurückzulegen und mit der schönen Innenstandt als lockendes Ziel war der Rucksack auch nur noch halb so schwer ( zur Ausrüstung später mehr).

Neben einer Dombesichtigung, kleinem Provianteinkauf und dem Kauf von Zugtickets verbrachten wir ziemlich viel Zeit in Banken und Wechselstuben, um die schwedischen mitgebrachten Geldscheine, die wie es sich am ersten Tag herausstellte, seit Ende Juni nicht mehr gültig waren, umzutauschen- vergeblich... Das muss postalisch über die schwedische Riksbank erfolgen. Naja zum Glück war noch eine Kreditkarte im Brustbeutel mit dabei...

 

Die Zugfahrt nach Sölvesborg ließ einen die malerische Natur im Schnelldurchgang wahrnehmen und war deshalb genauso rasch auch schon wieder vorbei. Hierzu lässt sich noch sagen, dass die Fahrpreise erstaunlich günstig und die Züge wirklich komfortabel sind.

 

Vor Freude endlich wieder durch die schwedische Natur zu laufen, schmeiße ich mich erstmal spontan ins weiche Gras....

 

 

 

Tagesziel war der Grundsjön, ein See, der 14km auf dem Skaneleden von Sölvesborg entfernt liegt, wobei die ersten zwei Kilometer wegen der unübersichtlichen Orientierung in Sölvesborg noch am längsten brauchten.

Es ging weiter durch abwechslungsreiche Wälder auf guten Wanderwegen.

An einer Stelle mit tollem Fernblick machten wir Rast und hatten das Gefühl jetzt so richtig in Schweden angekommen zu sein.

Abends am See, war der Shelter nicht zu finden, mehrere getroffene Angler gaben verschiedene, zum Teil amüsante Übernachtungstipps.

Letztendlich  schlugen wir später unser Lager im nahegelegenen Buchenwald auf. Mein Reisepartner im Einmannzelt und ich in meinem Biwaksack mit darüber gespanntem Tarp.

Da ich das Schlafen im Schlafsack, verschwitzt vom Laufen nur halb so doll genießen kann, ging es erstmal in den See.

 

Also ich sage es gleich: Das ist kein Badesee !

Moorig ohne Ende. Beim Herabgleiten der Beine vom Steg stehe ich bis zu den Oberschenkeln im Modder

- Ich wollte doch schwimmen gehen und nicht im Schlamm versinken... Da half nur ein Sprung vom Steg. So kam man dem Grund (Wassertiefe vll. 1,50m) nicht zu nahe und nach dem imprivisierten "Badevorgang" fühlte man sich tatsächlich auch etwas sauberer als zuvor...

 

Stimmungsvoller kann man draußen wohl kaum kochen...
Stimmungsvoller kann man draußen wohl kaum kochen...

Abendstimmung am Grundsjön. Nach dem Baden und Kochen einfach mal die Ruhe genießen
Abendstimmung am Grundsjön. Nach dem Baden und Kochen einfach mal die Ruhe genießen

 

Dritte Etappe: Grundsjön - Bökestad 27km

 

Eine längere Etappe wartet auf uns.

Ein klasse Tag: herrliches Wetter, tolle abwechslungsreiche Wälder, die Durchquerung einer Schafweide, eine super Mittagspause mit erfrischendem Bad im eiskalten Fluss Holjeån bei Östafors und immer wieder tolle Fotomotive.

Und auch das Ziel stimmt :-) 

 

 

Der Räslangen, ein langgestreckter See mit wunderschönem Sonnenuntergang wird zu meinem Lieblingsübernachtungsplatz der Tour- und das trotz der Tatsache, dass ich bei der Schlafplatzwahl wohl etwas schlampig war und jetzt schief auf felsigem Grund schlafe- egal.

 


 

Vierte Etappe: Bökestad-Brotorpet 13km

 

Nach dem langen Tag gestern und der Erkenntnis, dass unsere Proviantvorräte doch noch länger halten als geplant, gehen wir es heute mit nur 13km entpannt an.

Wir frühstücken noch unser Müsli, trinken Tee und schwingen, die inzwischen spürbar leichteren Rücksäcke auf den Rücken.

Das Wetter soll auch heute noch gut bleiben. Also wird das ein kurzer ruhiger Wandertag mit früher Ankunft in Vesslarp. Das Lager wird errichtet. Heute gibt es frische Steinpilze und eine Fleischbüchse zu dem Kuskus mit Tomatensauce- gar nicht so schlecht. Die Cashewkerne muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen...

 

Der saubere Badestrand vom Immeln lädt zum Baden ein, und bevor wir schlafen gehen lassen wir noch ein paar Steine über die Wasseroberfläche springen.

 

Läuft...
Läuft...

 

Fünfte Etappe: Brotorpet- Vesslarp 13km

 

Auch heute verlangen wir uns streckenmäßig nicht allzu viel ab..

Das Wetter ist nicht mehr so richtig sommerlich.

Bei kühleren Temperaturen und steigendem Regenrisiko geht es durch Wälder und entlang an Rinderweiden mit jahrhunderte alten Trockensteinmauern als Befriedung. Diese archaischen Mauern sind für mich etwas ganz besonderes, zum einen weil man es sich einfach kaum vorstellen kann, in welch mühsamer harter Arbeit diese errichtet wurden und zum anderen weil sie mit ihren Moosen und Flechten einfach unglaublich schön sind.

Immer wieder trifft man auf Schlangen am Wegesrand, die sich eindrucksvoll fotografieren lassen.

 

 

 

Mittags füllen wir nochmal Wasser auf einem kleinen Hof nach, auf dem unglaublich viele kleine Kinder herum wuseln.

Mich umgibt Bullerbü-Stimmung...

 

 

 

Der Shelter in Vesslarp liegt in direkter Nachbarschaft zu zwei Bächen, der Versuch darin zu baden scheitert jedoch. Gerade einmal 30cm Wassertiefe sind doch etwas knapp. Ich nehme Vorlieb mit der Wasserhandpumpe, die eiskaltes Wasser durch Muskelkraft hochfördert, welches man sich mit einem alten Zinkeimer direkt über den Kopf schütten kann...

 

Auch an diesem Lagerplatz wundere ich mich mal wieder über die riesigen angelegten Feuerstellen mit großen Grillrosten und frage mich, ob die überhaupt schon mal wirklich komplett ausgelastet waren. Hier kann man nach meiner Eischätzung getrost Grillwürste für 50 Leute zubereiten. Bei 6 Schlafplätzen in der Hütte.... Irgendwie ein komisches Verhältnis ...

 


Sechste Etappe: Vesslarp - Glimakra 19km

 

Das Wetter wird schlechter.

Es geht mehrere Kilometer an einem Seeufer entlang. Die Wolken machen uns etwas Angst. Wer weiß, was da noch kommt...

 

Und schon regnet es.

Später laufen wir durch nasses kniehohes Gras und können bei einem Unwetter noch Schutz auf einem überdachten Hochsitz finden.

 

 

Etwas Trost schenken die in Massen vorhandenen Blaubeeren, die mit der größte Grund für unser miserabel langsames Tempo  sind :-)

 

 

Mittag geht es durch ein kleines Freilichtmuseum, ein altes Sägewerk an einem Fluss wartet ohne Kasse und Audioguide, aber dafür mit umso mehr Historie auf seine Besucher...

 

 

In Glimakra wartet der nächste Shelter auf uns. Mal wieder sind keine anderen Wanderer dort. Schade eigentlich:

Denn den Austausch mit anderen Treckern finde ich immer ziemlich cool.

 

Toller Pluspunkt der Übernachtungsstelle: Wanderer, die mögen, können 600m entfernt vom Shelter kostenlos im Freibad Trollabedet eine Runde schwimmen gehen..

 

Weil es abends schnell gehen muss, gibt es für uns beide je einen Beutel Treckingfertignahrung, der mir auch überraschend gut schmeckt, dafür, dass das mehr Pulver als "Zutaten " sind :-)  (ich hatte das Lachspesto).

 

 

Ein toller Sonnenuntergang mit malerischem Licht sorgt für gute Stimmung- plötzlich, wie aus dem nichts zieht dann aber doch noch ein Gewitter auf !

Danke an den Erbauer vom Shelter- wir schlafen nach kurzem Lesen zufrieden ein.

 

 


Siebte Etappe: Glimakra Shelter - Osby Shelter 17km

 

Das Wetter wird noch schlechter.

Um etwa 10h geht es wieder weiter auf dem durchweg sehr gut ausgeschilderten Skaneleden. Das ist wirklich ein großer Pluspunkt von diesem Trail. Und auch die Wegverhältnisse würde ich persönlich als sehr wandererfreundlich bezeichnen. Schmale Pfade durch die Natur, wenig Straßen und ausreichend Möglichkeiten Trinkwasser aufzufüllen. Lediglich nach Regentagen sollte man bedenken, dass dann das Wasser von "unten" kommt...

Die zum Teil dichte Vegetation und der moorige Boden speichern viel Feuchtigkeit und somit sind wasserfeste Schuhe und eine Regenhose nicht unnötiger Ballast.

 

Vormittags treffen wir auf einem Hof, durch den der Wanderweg führt einen netten alten Mann. Wir können nicht Schwedisch, er nicht Deutsch- irgendwie schafft man es dennoch sich herzlich und ziemlich improvisiert nett zu "unterhalten". Tolle Erlebnisse für mich. Erinnerungen an meine Deutschlandtour mit den vielen großartigen und bereichernden Gesprächen vor drei Jahren kommen wieder hoch.

Auf dem nächsten Bauernhof quatschen wir mit einem Bauern über die Landwirtschaft und das sich die Milchkuhhaltung im kleinen Stil nicht mehr loht und er seine 15 Kühe schon vor zehn Jahren abgeschafft hat.

 

An von Trockensteinmauern umgebenen Rinderweiden auf denen vereinzelt Fleischrinder grasen, verläuft der weitere Weg für heute.

Ein altes verlassenes Industriegebäude lädt zu einer persönlichen Kurzfolge LostPlaces ein...

Vll. hätte man sich die halbe Stunde jedoch lieber sparen sollen ...

 

 

Denn auf dem weiteren Weg fängt es furchtbar in Strömen an zu regnen. Das wird uns etwas viel. Wir spannen mein Tarp zwischen vier, viel zu dicht beieinander stehenden Bäumen ab. Damit sich in der Mitte der Plane kein See bildet stelle ich mich als menschliche Tarpstange in die Mitte.

Das Wasser läuft zwar seitlich ab, aber ein wirklicher Dauerzustand ist das nicht!

 

Wir laufen weiter...

Am Campingplatz von Osby fragen wir nach der Wettervorhersage für die nächsten Tage. -Nicht so der Brüller und je nach befragtem Gerät ( PC/ Smartphone) ziemlich widersprüchlich.

Wenigstens kann mal sich mal mit warmem Wasser die Hände waschen und einen Blick in den Spiegel riskieren..

Den nahegelegenen Shelter auf dem Grundstück vom Filufts Främjandet ( vvl. sinngemäß übersetzt vll. mit staatlichem Outdoorsportverein) den wir schließlich im strömenden Regen erreichen wirkt erstmal etwas ungastlich. Erst nach dem Aufblasen der Isomatten und Ausrollen der Schlafsäcke hat man das Gefühl "Angekommen" zu sein.

 

 

Der Regen verfliegt und wir beginnen mit einer Arbeitsteilung. Mein Kumpel kümmert sich um das Trocknen der nass gewordenen Ausrüstungsgegenstände, ich laufe 3km nach Osby zum Bahnhof. Zum einen um die Route für den nächsten Tag schon mal auszukundschaften und um beim ICA Supermarkt noch etwas einzukaufen.

 

 

Auf dem Weg ins Centrum treffe ich am Seeufer     einen jungen Mann. Wir sprechen darüber woher wir kommen und was wir so vorhaben. Er erzählt mir, er sei gerade erst alleine aus Afghanistan geflohen. Seine Familie ist im Bürgerkrieg umgekommen. Eine ergreifende Begegnung. Die Gründe/ Motive an diesem Ort zu sein, könnten bei uns beiden wohl kaum gegensätzlicher sein. Wir unterhalten uns nett in rudimentärem Englisch. Später fragt er mich, wie die Tiere/ Kunstwerke: ein Affe und ein Hase, beide etwa 3m hoch und am Ufer stehend, auf Deutsch heißen. Ich schreibe die Begriffe auf einen Zettel, der noch in meiner Hosentasche herumirrte und drücke ihm den in die Hand. Ich muss weiter, wir verabschieden uns.

 

Herrlich leicht da ohne Rucksack unterwegs geht es weiter zum ICA, da dieser bald zumacht. Ich laufe durch ein dunkles siffiges Parkhaus, der in jedem Gangsterfilm als Schauplatz für eine Schießerei oder das Ende einer Verfolgungsjagd herhalten könnte.. Ich bin ehrlich: Im Dunkeln wäre ich da nicht so gerne unterwegs gewesen...

Mit einem Fahrstuhl ohne Tür geht es durch einen Schacht hoch zum Supermarkt.

 

Ein paar Zimtschnecken müssen es schon sein... und etwas fürs Frühstück am nächsten Tag.

Der Bahnhof von Osby ist umgeben von Dönerläden, die längst dicht gemacht haben und mit ihren gesprungenen Fensterscheiben etwas trostlos wirken.

Am Fahrkartenautomaten gehe ich einmal den Tippvorgang bis zum entsprechenden Ticket durch und schaue auf den für mich unverständlichen Fahrplan. Nur noch ein kleiner Abstecher zur Dorfkirche von 1834 und ein paar Fotos vom Sonnenuntergang über dem See trennen mich noch vom Shelter.

 

 

Die Zimtschnecken werden gekillt und ich gehe noch mal baden. Der See ist auch nur etwa einen Meter tief- wenigstens aber nicht morastig...

Nachts wird es ziemlich kalt. Gut den dicken Schlafsack mit 6 Grad Komforttemperatur dabei gehabt zu haben.

 


Achte Etappe: Osby Shelter- Osby Bahnhof 3km

 

Die Etappen auf dem Skaneleden sind vorüber. Die Landschaft fanden wir echt schön, wir wären jedoch gegenüber etwas mehr Abwechslung bzgl. historischer/ architektonischer/ kultureller Hinsicht nicht abgeneigt gewesen. Alles in Allem war das eine schöne Tour mit im Schnitt auch ganz guten Wetter.

 

Morgens um 5 vor 11h erreichen wir den Bahnhof von Osby. Wir dachten, wir kaufen entspannt nochmal ein für die letzten beiden Tage, doch unser Zug kommt "zufällig" schon in 5 Minuten! 

Wir hetzen auf den Bahnsteig.. gehen an den Automaten... Ich tippe schnell den Ablauf von gestern durch... Der Zahlvogang braucht gefühlt ewig... Wir haben das Ticket nach Trelleborg... Der Zug fährt ein... Wir müssen auf den gegenüberliegenden Bahnsteig... Wir rennen durch die Unterführung und springen bei sich gerade schließenden Türen in den Zug... Ooh- Das war richtig knapp !!!

 

Man spricht über die letzen Tage: Das Wetter, die Route, die Übernachtungsplätze, die Ausrüstung und über Wünsche für nachfolgende Touren.....

 

Nach einem Umsteigen in Malmö, erreichen wir Trelleborg.

 

Kleiner Zivilisationsschock nach der Wildnis !

Die letzten Tage lief alles nur nach den Bedürfnissen Essen / Schlafen / Laufen.

Der absolute Gegensatz zum stressigen Alltag. Und diesem kommt man in der Stadt gleich auch wieder gefühlt gefährlich nahe...

 

Die Fährtickets und noch etwas Proviant für die Rückreise fehlen noch...

 

Nach einer Woche Tüten-Trockennahrung einfach nur geil !
Nach einer Woche Tüten-Trockennahrung einfach nur geil !
Vom Modder in die "Metropole"... In einer Einkaufspassage in Trelleborg- Wildnis ade...
Vom Modder in die "Metropole"... In einer Einkaufspassage in Trelleborg- Wildnis ade...

 

Danach stellt man sich die Frage, was man heute eigentlich noch macht- es ist ja erst 15h.

Weil morgen die Fähre schon um 7.45h fährt ist es nicht sinnvoll sich zu weit von Trelleborg zu entfernen.

Wir schlagen den Weg parallel zur Fernstraße in westlicher Richtung ein. Straßenlärm und Enge umgibt mich.

Ich schlage vor doch einfach am Strand langzulaufen. Der "Strand" ist vll. 3m breit und zum einen voller Felsen und weiter Richtung Meer voller Algen- immerhin ! Und nachdem wir ein paar hundert Meter den Strand entlang gelaufen sind finden wir eine schöne Stelle, die sich zum Kochen und Baden eignet.

 

 

Doch mit dem Baden, ihr merkt es schon, gab es auch diesmal Überraschungen...

Wir setzen die Rucksäcke ab und laufen noch etwas durch die Gegend.

 

Kennt ihr dieses Gefühl: Man hat einen eigentlich passenden Platz gefunden, läuft aber immer noch etwas ziellos und zweifelnd herum, um sich auch ganz sicher sein zu können,

dass der Platz direkt daneben nicht vll. doch noch schöner gewesen wäre ???  :-)


Wie jeden Abend zuvor packen wir unseren Küchenkram aus den Rucksäcken, bauen den Kocher auf und gehen auf die Suche nach etwas Brennholz. Kein toter Baum weit und breit.. Was tun? Wir finden eine vom Meer angespülte Buche- sägen zwei Scheiben ab und spalten sie mit dem taffen Mora Robust zu Kleinholz. Man braucht ja, auch immer nur echt wenig Holz, viel weniger als zuvor erwartet...

 

Windgeschützt und sicher steht der Kocher zwischen den Felsen
Windgeschützt und sicher steht der Kocher zwischen den Felsen

 

Der Kocher, der im Windschatten einiger Felsen steht lodert, wir erhitzen einen Topf mit Wasser, kochen Kuskus mit allem, was der ICA hergab: Tomatensauce, Hackfleischbällchen (Wer denkt gerade an Ikea :-) und natürlich Cashewkernen...

Ein tolles Essen mit Blick aufs Meer.

 

Es ist noch Holz da. Also noch schnell die Eier als Proviant für morgen kochen.

Es ist immer noch Holz da. "Komm, für nach dem Baden noch ein Tee," denke ich mir. Frischgepflückte Minze.

Ich ziehe die Badehose an gehe hunderte Meter in die brutal warme Ostsee. Das wird einfach nicht tiefer- shit.

Einmal "Toter Mann" um überhaupt komplett nass zu werden und wieder heraus.

Beim Teetrinken fühlt sich der rechte Fuß komisch an.. ich schaue nach.. aufgeschitten. Och ne !

Irgendwie alles halb so wild jetzt, man muss ja nicht mehr weit laufen. Für mich unterstreicht es das Gefühl des Abschiednehmens von der Tour allerdings etwas schmerzhaft...

 

Schlafen wollen wir auf der langestreckten Wiese zwischen Autostraße und Strand. Er wieder im Einmannzelt, ich im Biwaksack.

Der Himmel sieht als wir uns in die Schlafsäcke verkriechen noch ziemlich blau aus...

 

 

Nachts fängt es dann doch ganz schön an zu schütten. Das Wasser prasselt auf den Biwaksack.

Nur 5cm fernab vom Regen fühlt man sich den Elementen überraschend nahe. Mir ist bei geschlossenem Eingang viel zu warm.

Der Reißverschluss vom Schlafsack ist eh längst komplett offen.

 

Den Biwaksack habe ich erst relativ neu und mit dem Klimamanagement bin ich gerade nicht so richtig zufrieden... Immerhin ist er dicht und ich bleibe trocken.

Ob das Kilo Ersparnis gegenüber meinem alten Einmannzelt im Verhältnis steht ... Ich bin ich mir in diesem Moment nicht mehr ganz sicher...

 

Der Regen hört auf. Ich öffne den Biwaksack und blicke auf die Autos, die 30m von mir entfernt, vorbeirauschen.

Es sind viele Volvos dabei. Sehr viele. Und ich liebe Volvos. Besonders die alten kastigen Kombis...

Zwei Lkw´s fahren nebeneinander, werden immer langsamer, bleiben stehen, es kommt zu einem Stau... ich schlafe weiter...

 

 


Neunte Etappe: Rückreise

 

Früh um halb sechs stehen wir auf, schießen ein Foto vom herrlichen Sonnenaufgang und packen auch schon zusammen.

 

 

Auf dem kurzen Weg zum Fährhafen sehen wir weitere Zelte von Reisenden, die nah am Fährhafen schlafen wollten, um die frühe Fähre nicht zu verpassen...

 

Die Vorstellung heute Abend statt im Biwaksack bei Regen wieder im heimischen Bett zu schlafen finde ich dann doch gar nicht so verkehrt...

Ein paar nette Gespräche mit anderen Reisenden sorgen für kurzweilige 4h der Fährüberfahrt und auf der anschließenden Autofahrt lassen wir die Tour für uns nochmal Revue passieren....

 

Als wir in Berlin ankommen, werfe ich ein Blick aufs Thermometer: 30 Grad; drückende Hitze und ich frage mich insgeheim, ob ich vll. doch gerne noch etwas länger in Schweden geblieben wäre ... ???

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allgemeine Informationen zu dem gelaufenen Teilstück des Skaneleden

( Sölvesborg- Osby)

 

Öffentliche Verkehrsmittel

Die Züge von Osby/ Sölvesborg nach Malmö oder Trelleborg fahren regelmäßig und zu erschwinglichen Preisen. (als Beispiel: Osby-Trelleborg pro Person etwa 15 Euro/ stündliche Abfahrt/ ca. 2h Fahrzeit)

Man sollte jedoch beachten, dass man keine Tickets im Zug kaufen kann und manche Automaten nur Kreditkartenzahlung akzeptieren! Des weiteren fahren auf vielen Teilstrecken alternativ noch Busse.

 

Wegverhältnisse

Die Beschaffenheit der Wege ist zum größten Teil sehr gut. Nur selten geht es wirklich durch unwegsames Terrain. Da jedoch viel durch hohe und bei Regenwetter entsprechend nasse Vegetation gelaufen wird, schaden lange Hosen, besonders als Schutz gegen die zahlreichen Zecken sicherlich nicht. Außerdem ist wasserfestes Schuhwerk bei dem zum Teil matschigen Untergrund (besonders nach Regentagen) angesagt.

 

Beschilderung

Die Ausschilderung der Route ist wirklich hervorragend! Des weiteren finden sich viele Informationstafeln, Karten und Kilometerangaben am Wegesrand.

 

Hier können die Etappenkarten kostenlos heruntergeladen werden:

http://de.skaneleden.se/gut-zu-wissen/material-zum-herunterladen/

 

 

Übernachtungsplätze

Alle Shelter (zu einer Längsseite offene Holzhütte, die eine kostenfreie Übernachtungsmöglichkeit für

bis zu 6 Leute darstellt und davor meist eine Feuerstelle aufweist) sind in einwandfreiem Zustand. Die meisten verfügen zudem über Feuerholz, einen Abfalleimer sowie ein Plumsklo, teilweise ist auch ein Wasserhahn nicht weit.

 

 

Trinkwasser

Die Beschaffung von Trinkwasser erwies sich als kein Problem. Jeden Tag kommt man an minimum einer offiziellen Wasserstelle vorbei, viele Höfe durch die die Route verläuft bieten sich ebenfalls als Nachfüllmöglichkeit an, ebenso Friedhöfe, ansonsten trinkt man abgekochtes Seewasser ( geschmacklich nicht edel, aber okay).

 

 

Nahrungsmittelbeschaffung

Auf der direkten Route befinden sich keine Lebensmittelgeschäfte. Entweder trägt man für etwa 5 Tage Lebensmittel mit sich ( erfahrungsgemäß pro Person etwa 4kg) oder macht Abstecher in die nahegelegenen Städte wie Östafors,Näsum oder Glimakra.

 

 

Ernährung on Tour (Beispiel)

Morgens: Müsli mit ein paar selbst geflückten Blaubeeren

Mittags/Snacks: Knäckebrot+ Salami, Hartkekse/ Panzerplatten, Haselmark und Nüsse

Abends: Kuskus oder Asianudeln mit Tomatensauce, Cashewkernen und evtl. einer Fleischbüchse sowie frischen Pilzen

 

 

Ausrüstung

Vor der Tour habe ich mir viele Gedanken über einer leichten Austattung gemacht. Ein leichter Rucksack sorgt für mehr Wandergenuss und weniger "Endlich-Ankommen !-Erwartung". Auf bisherigen Touren hatte mein Rucksack oft ein Grundgewicht (ohne Wasser/Nahrung) von über 20kg- diesmal waren es nur etwa 6kg ! Plus 2l Wasser und anfänglich ca. 4kg Proviant landete ich so bei 12 kg.

 

 

Im Detail...

 

Rucksack: Osprey Exos 48 ( 1kg)

Biwacksack: VentAir/PU von Exped (0,6kg)

Keines Tarp: (ehemalige Zeltunterlage) (0,5kg)

Schlafsack: Yeti Shadow 300 (0,8kg)

Isomatte: ThermaRest Pro Lite4 (1kg)

ansonsten eine leichte Regenjacke/ Regenhose, Halstuch, friendstuff-Kapuzenpullover, Wechselsocken, Badehose, Handtuch, Erstehilfeset mit Zeckenzange, Reperaturzeug, Klappsäge, Messer, Tasse, einen Kochtopf und die fünfte bald erscheinende Generation vom friendstove (263g).

-Kein Schleppen von Brennstoff und jeden Tag 2x Lagerfeuerromantik ! -

 

 

Und für die nächste verflixte Regenpause vll. noch eine Tafel seiner Lieblingsschokolade... oder auch zwei :-)

 

 

 

Vielen Dank für deine Zeit.

Ich hoffe der Artikel hilft dir etwas beim Planen deiner nächsten Tour auf dem Skaneleden oder hat einfach so Spaß beim Lesen bereitet ...und wünsche dir draußen alles Gute.

Bei Fragen melde dich einfach bei mir.

 

 

Schöne Grüße

Klemens Nowak

 

Gründer von friendstuff

 



 

 

 

 

 

 

 

Noch ein paar weitere Impressionen...

 

Für so manches Foto habe ich den Skaneleden auch mal verlassen..
Für so manches Foto habe ich den Skaneleden auch mal verlassen..

Also ich finde es lustig...
Also ich finde es lustig...

Felsen mit Kippe im Mund- wer hat das auch gesehen ?
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So drollig- total toll erklärt- besser als jedes Verbotsschild mit dicker roter Schrift
So drollig- total toll erklärt- besser als jedes Verbotsschild mit dicker roter Schrift

Im Zug nach Trelleborg...
Im Zug nach Trelleborg...

Stimmung pur...
Stimmung pur...

Gestelltes Werkzeug an den Sheltern: Eingeschweißte Rohre dienen als Never- Lost- Axtstiele
Gestelltes Werkzeug an den Sheltern: Eingeschweißte Rohre dienen als Never- Lost- Axtstiele
LÄNGER NICHT GENUTZT :-)
LÄNGER NICHT GENUTZT :-)

Schweden in der Werbung...
Schweden in der Werbung...
Kochen nicht nur um satt zu werden...
Kochen nicht nur um satt zu werden...

Flechten ohne Ende..
Flechten ohne Ende..

 

© Klemens Nowak  20. August 2017

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